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GIOVANNI RINDLER – Ausstellung „CORPORA HUMANA“

Die neue Ausstellung im Stadtmuseum Bruneck GIOVANNI RINDLERCORPORA HUMANA ist ab Samstag, 19.03. bis Samstag, 23.04.2022 im Stadtmuseum Bruneck zu besichtigen.

STADTMUSEUM BRUNECK, Bruder-Willram-Str. 1, I-39031 Bruneck

Öffnungszeiten | Orari d’apertura: Di & Do 10-12 & 15-18 Uhr; Sa 10-12 Uhr

www.stadtmuseum-bruneck.it | info@stadtmuseum-bruneck.it | Tel.: 0474 553 292

Giovanni Rindlers Schaffen verschreibt sich dem Bild des Menschen, der Mannigfaltigkeit seiner Erscheinungen und Bewegungen. In typologischer, stilistischer und technischer Vielfalt bearbeitet er sowohl plastisch als auch graphisch dessen wesentliche Form, welche je nach Blickwinkel eine nahezu unerschöpfliche Fülle an Aspekten und Ansichten in sich birgt. Kraft einer ausgewogenen Verteilung stereometrischer Formen sowie einer bewussten Tarierung der Komposition schafft der Künstler Figuren, deren organische Konturen das Fließen der Zeit nachempfinden und zugleich statisch einfangen.

Die technische Sicherheit Rindlers ist augenscheinlich. Diese erwarb der Gadertaler bereits im frühen Alter in seiner Holzbildhauerlehre in St. Ulrich in Gröden. Seine Ausbildung setzt er als Schüler von Josef Pilhofer in Graz und bei Joannis Avramidis an der Akademie in Wien fort, beide samt Schüler des bedeutenden österreichischen Bildhauers Fritz Wortruba. Keineswegs nur naturalistisch, sondern in verschiedenen Graden der Reduktion, Abstrahierung und Archaisierung, reiht sich das Frühwerk Rindlers in die Tradition der klassischen Moderne ein. Die konzeptuelle Strenge der Avramidis Schule findet anfängliche Bestätigung in einer bausteinartigen, modularen Synthese konvexer und konkaver Formen. Prinzipiell wird die Morphologie von Rindlers Figuren, über alle stilistischen Phasen hinweg, diesem Primat der runden Form verpflichtet bleiben. Vom steifen Avramidis Korsett emanzipiert, entwickelt der Künstler eine Kunsthaltung, welche zwar auf das Statische setzt, dem Statuarischen jedoch eine Schwerelosigkeit entgegenstellt, welche durchaus auf eigenständigen Überlegungen formaler und rezeptionsästhetischer Natur fundiert.

Vom linearen Flachrelief bis hin zur vollplastischen Allumsicht lotet Giovanni Rindler die Bandbreite plastischer Tiefe aus, wobei sich in der gegenseitigen Durchdringung der zweiten und dritten Dimension bildhauerische und graphische Mittel ergänzen. Viele seiner Formen gestaltet Rindler unter Einbeziehung des Freiraums als einen integrativen und konstitutiven Bestandteil. Ausgenommen von jenem Gestaltungsprinzip sind Rindlers Darstellungen hockender und kauernder Akte, die eine in sich geschlossen-kompakte, hermetische Einheit bilden, welche keine oder nur wenige Durchblicke aufweisen. In der Selbstgenügsamkeit der in sich ruhenden Figur und ihrer archaischen Nacktheit schwingt ein Ausdruck von Selbstbestimmung und Autonomie mit, welcher mit dem einer zeitlosen und anonymen Präsenz eines griechischen Kouros korreliert.

Gegen 2010 setzt in seinem Werk eine Öffnung der Körperhaltung ein, welche simultan mit einer Dynamisierung der üppigen und voluminösen Formen einhergeht. In den zunehmend exaltierten und sinnlich-barock anmutenden Haltungen stellt sich Rindler vor die Herausforderung, trotz einer Abundanz an Masse, Volumen und Bewegung, das Bild einer grazilen, leicht-füßigen Schwerelosigkeit zu evozieren.

In der stilistischen Genealogie Rindlers zeichnet sich dessen Menschenbild ab, welches zwei gegensätzliche Pole umspannt: dem einer hieratisch-asketischen Zurückhaltung, wie sie in den blockartig-geschlossenen Figuren zu Tage tritt, und dem eines hedonistisch-vitalen Elans, von denen jene Figuren zeugen, welche im Begriff stehen, dem Sockel zu entschweben.

Giovanni Rindler, geb. 1958 in Bruneck und aufgewachsen in Gadertal, lebt und arbeitet in Wien als freischaffender Künstler und Restaurator. Seine Werke wurden in diversen Einzel-und Gruppenausstellungen gezeigt, darunter im Centro Cultural Pablo Picasso in Torremolinos (ES), in der National Gallery for Foreign Arts Sofia (BG), im Dommuseum und  Museum Leopold in Wien.